
Eine globale Handelskrise erfordert eine globale Antwort
Fachkräfte bilden das Rückgrat jeder großen Volkswirtschaft. Vom Pipelinebau und den Werften bis hin zu Automobilfabriken und Windparks bleibt das Schweißen eine Grundlage der industriellen Entwicklung. Doch viele Länder stehen heute vor einem kritischen Mangel an qualifizierten Schweißern. Laut der American Welding Society werden allein in den Vereinigten Staaten bis 2025 mehr als 400.000 qualifizierte Schweißer fehlen. Gleichzeitig berichtet das Europäische Zentrum für die Entwicklung der Berufsbildung (CEDEFOP), dass Deutschland, Polen und die Niederlande historisch bedingte Defizite im Schweiß- und Fertigungsbereich verzeichnen.
Dies ist kein vorübergehender Engpass, der durch pandemiebedingte Störungen verursacht wurde. Vielmehr handelt es sich um ein strukturelles, langfristiges Problem – angetrieben durch eine alternde Arbeitnehmerschaft, schwache berufliche Ausbildungspfade und beschleunigte Investitionen in die Infrastruktur. Da die traditionellen Herkunftsmärkte die Nachfrage nicht mehr decken können, richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend nach Osten. Insbesondere wenden sich globale Arbeitgeber jetzt Vietnam zu, wo eine einzigartige Kombination aus Ausbildung, Kultur und Kosteneffizienz den vietnamesischen Schweißer zu einer unverzichtbaren globalen Ressource gemacht hat.
Vietnams Schweißkräfte: Ergebnis von Strategie, nicht Zufall
Der Aufstieg Vietnams als führender Exporteur qualifizierter Schweißer ist kein Zufall. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die vietnamesische Regierung in Zusammenarbeit mit privaten Ausbildungszentren und internationalen Förderern ihr Berufsbildungssystem grundlegend reformiert. Dadurch bieten moderne Einrichtungen wie LILAMA 2, CTWEL und das Technische Kollegium Hùng Vương nun weltweit anerkannte Programme mit Schwerpunkt auf angewandtem Schweißen an.
Im Gegensatz zu traditionellen Bildungssystemen, die Theorie priorisieren, konzentrieren sich die technischen Programme Vietnams auf Kompetenzen. Die Studierenden verbringen über 60 % ihrer Zeit in simulierten Industrie-Workshops, in denen sie Techniken wie SMAW, GTAW (TIG), GMAW (MIG/MAG) und Flux-Core-Lichtbogenschweißen üben. Sie werden nach internationalen Normen – ISO 9606, AWS D1.1 und ASME Abschnitt IX – ausgebildet und regelmäßig von Prüfern aus Deutschland, Japan oder Südkorea bewertet.
Folglich sind vietnamesische Schweißer nicht nur qualifiziert, sondern auch global wettbewerbsfähig. Noch wichtiger ist, dass ihre Fähigkeiten produktionsbereit sind. Nach der Ankunft benötigen sie nur eine minimale Einarbeitungszeit und integrieren sich meist problemlos in ausländische Teams.
Warum vietnamesische Schweißer im Ausland überzeugen
1. Technische Präzision gepaart mit praktischer Einsatzbereitschaft
Vietnamesische Schweißer zeichnen sich nicht nur durch ihre Zertifikate aus, sondern vor allem durch ihre praktische Erfahrung. Während andere Länder oft theoretische Abschlüsse vergeben, absolvieren vietnamesische Schweißer häufig eine 12- bis 18-monatige Fabriklehre vor dem Einsatz im Ausland. So verstehen sie nicht nur Schweißprozesse, sondern auch Toleranzen, das Lesen von technischen Zeichnungen und Sicherheitsvorschriften.
Viele haben zudem bereits in anspruchsvollen Positionen gearbeitet, wie zum Beispiel im 6G/6GR-Schweißen – eine der komplexesten Fertigkeiten im Handwerk. Das macht sie ideal für kritische Projekte in den Bereichen Öl & Gas, Schiffbau oder Stahlbau.
2. Arbeitsmoral, Anpassungsfähigkeit und kulturelle Disziplin
Neben ihrer technischen Kompetenz bringen vietnamesische Schweißer eine starke Arbeitsmoral mit. Sie werden oft für ihre Pünktlichkeit, Einhaltung der Sicherheitsregeln und Bereitschaft zu Überstunden gelobt. Außerdem sind sie durch ihre Erfahrung in strukturierten Hierarchien anpassungsfähig an ausländische Unternehmenskulturen – besonders in Deutschland, Japan und Südkorea.
Der Wechsel in ein neues Land ist nie einfach. Vietnamesische Arbeiter durchlaufen jedoch meist vor der Abreise Orientierungsprogramme mit Sprachkursen und kulturellen Trainings. Diese Vorbereitung hilft ihnen, sich besser zurechtzufinden, was zu höherer Bindung und weniger Konflikten vor Ort führt.
3. Nachhaltige Kostenstruktur der Arbeitskraft
Der vietnamesische Schweißer steht für Wertschöpfung, nicht nur für niedrige Kosten. Die Arbeitskosten bleiben wettbewerbsfähig – durchschnittlich 2.000 bis 2.500 Euro pro Monat in Europa – der wahre Vorteil liegt jedoch in der Produktivität pro investiertem Euro. Arbeitgeber berichten, dass vietnamesische Schweißer gleichbleibend hohe Qualität liefern, selten Nacharbeit benötigen und ihre Stundenerwartungen übertreffen.
Im Gegensatz zu kurzfristigen Billigarbeitsprogrammen setzt Vietnam auf wiederholte Einsätze und langfristige Verträge, was Vertrauen schafft und die Fluktuation senkt. So erhalten Auftraggeber eine zuverlässige Belegschaft mit stabiler Leistung.
Globale Märkte, in denen vietnamesische Schweißer Lücken füllen
🇩🇪 Deutschland:
Eines der offensten und attraktivsten Ziele für vietnamesische Schweißer. Das überarbeitete Fachkräfteeinwanderungsgesetz (2023) schließt Metallberufe ausdrücklich ein. Arbeitgeber aus den Bereichen Schiffbau, Automobil und Fertigung arbeiten mit vietnamesischen Agenturen zusammen, um zertifizierte Fachkräfte für Verträge von 2 bis 4 Jahren zu rekrutieren.
🇵🇱 Polen & Mitteleuropa:
Bei geringem Interesse am Schweißen im Inland wenden sich polnische Firmen an Vietnam für TIG/MIG-Profis. Vietnamesische Arbeitskräfte unterstützen Stahlbauwerke, Fertighäuser und landwirtschaftliche Maschinenfabriken.
🇨🇦 Kanada:
Vietnamesische Schweißer werden zunehmend in British Columbia und Alberta eingesetzt. Ihre ASME-Section-IX-Qualifikationen machen sie ideal für Rohrleitungs- und Ölbohrfeld-Fertigung. Außerdem bietet Kanadas Federal Skilled Trades Program eine Möglichkeit für dauerhaften Aufenthalt für Schweißer mit mehr als zwei Jahren Auslandserfahrung.
🇯🇵 & 🇰🇷 Japan & Südkorea:
Die bilaterale Arbeitszusammenarbeit hat es Tausenden vietnamesischer Schweißer ermöglicht, in Werften und der Automobilfertigung zu arbeiten. Diese Länder legen Wert auf Präzision, und vietnamesische Fachkräfte erfüllen oder übertreffen oft die Erwartungen.
Systeme, die die Entsendung vietnamesischer Schweißer unterstützen
Vietnam hat eine Infrastruktur für Mobilität aufgebaut. Agenturen wie LabourlinkVN fungieren nicht nur als Vermittler, sondern auch als Partner für Talententwicklung und Entsendung. Sie:
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Führen technische Assessments in Abstimmung mit den Arbeitgebern durch
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Übernehmen alle Visa- und Rechtsdokumentationen
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Bieten Sprach- und Kultur-Immersionskurse an
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Unterstützen nach der Ankunft in den Gastländern
Darüber hinaus überwacht die vietnamesische Regierung die Verträge eng und arbeitet mit Botschaften sowie internationalen Organisationen zusammen, um die Rechte der Arbeiter zu schützen. Diese Infrastruktur stellt sicher, dass vietnamesische Schweißer nicht ausgebeutet, sondern gestärkt werden.
Vom Schweißer zum Vorarbeiter: Langfristige Karrierewege
Die Reise des vietnamesischen Schweißers endet nicht am Arbeitsplatz. In vielen Ländern erhalten erfolgreiche Fachkräfte Vertragsverlängerungen, Beförderungen oder Unterstützung für Weiterbildungen. Einige wechseln innerhalb von 2–3 Jahren vom Schweißer zum Bauleiter. Andere sparen genug Kapital, um nach der Rückkehr eigene Schweißereien oder Ausbildungszentren zu eröffnen.
Noch bemerkenswerter ist, dass immer mehr Schweißer Aufenthaltsgenehmigungen oder Familienzusammenführungsprogramme anstreben – besonders in Kanada, Deutschland und Japan. Schweißen im Ausland ist somit nicht nur eine kurzfristige Einkommensquelle, sondern ein Weg zu globaler Staatsbürgerschaft und generationenübergreifender Mobilität.
Herausforderungen – und wie Vietnam sie löst
Natürlich gibt es weiterhin Herausforderungen. Die Sprache bleibt eine Hürde, insbesondere in Europa, wo häufig Deutsch- oder Polnischkenntnisse erforderlich sind. Rekrutierungszentren integrieren jedoch mittlerweile Sprachmodule auf A1/A2-Niveau in ihre Ausbildung.
Früher führten Abweichungen zwischen vietnamesischen und ausländischen Zertifizierungsstandards zu Verzögerungen bei der Entsendung. Glücklicherweise hat die Angleichung zwischen ISO 9606 und den nationalen Kompetenzrahmen Vietnams diese Reibungen verringert. Arbeitgeber im Ausland können Qualifikationen jetzt schneller über digitale Nachweise und übersetzte Portfolios prüfen.
Zudem werden Heimweh und kulturelle Isolation – besonders an ländlichen Einsatzorten – durch Mentorenprogramme und Gemeinschaftsveranstaltungen, organisiert von Agenturen und Konsulaten, abgemildert.
Vietnams proaktive Herangehensweise an diese Herausforderungen stärkt den Ruf seiner Arbeitskräfte auf dem internationalen Arbeitsmarkt zusätzlich.
Eine Zukunft über Grenzen hinaus schmieden
Die Welt baut nicht nur Wolkenkratzer, Brücken und Pipelines – sie baut auch neues Vertrauen in Arbeitsmobilität und grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf. Schweißer stehen im Zentrum dieses Wandels – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Und unter ihnen verkörpert der vietnamesische Schweißer nicht nur Können und Produktivität, sondern auch Würde, Stabilität und globale Einsatzbereitschaft.
Für Personalvermittler ist die Zusammenarbeit mit Vietnam kein Risiko, sondern eine strategische Investition in eine Arbeitskraft, die zuverlässig Leistung bringt. Für vietnamesische Schweißer ist Arbeit im Ausland keine kurzfristige Gelegenheit, sondern eine langfristige Chance zu wachsen, zu verdienen und Verantwortung zu übernehmen.
